BuiltWithNOF
S

Gespräch mit Dr. Christoph Schubert-Weller

Vorsitzender des Deutschen Astrologenverbands (DAV) von 2005 -  2011

http://www.tarotseminar.astrologiedhs.de

Dr. Christoph Schubert-Weller:
http://www.astrologie-traeume-tarot.de/

Jahrgang 1950, Studium in Philosophie, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft (M.A. 1972), Sozialpädagogik (Dipl. Päd. 1982), Promotion in Erziehungswissenschaften über ein Thema der historischen Jugendforschung. Verschiedene Zusatzausbildungen, unter anderem als Rückführungspraktiker, in Analytischer Traumarbeit und in Hospizarbeit (Sterbebegleitung). Astrologie seit 1976, Prüfung beim Deutschen Astrologen-Verband (DAV) 1985. 1995 bis 2003 Mitglied des DAV-Prüfungsausschusses, 2005 bis 2011 Vorsitzender des Deutschen Astrologen-Verbandes. Regelmäßige Vorträge im In- und Ausland, Beiträge in Fachzeitschriften, Fachübersetzungen aus dem Englischen, Italienischen und Niederländischen.

Selbständige Publikationen, u.a.:
Die astrologische Geburtszeitkorrektur. München 1989.
Spricht Gott durch die Sterne? Astrologie, Gesellschaft und christlicher Glaube München 1993.
Wege der Astrologie. Schulen und Methoden im Vergleich. Mössingen 1996. - Neu aufgelegt unter dem Titel „Die Astrologie“, mit aktuellem Vorwort. Wiesbaden 2006.
Die Korrektur der Geburtszeit in sieben Schritten. Tübingen 2005.
Kombination und Synthese. Die Kunst der Horoskopdeutung. Tübingen 2009.
Philosophische Fragen der Astrologie, BoD, 2011, Norderstedt                                       Die integrierte Prognose (erscheint).

Im Gespräch bei “vonabisw” am 27.Mai 2011:

http://www.vonabisw.de/3.html

 

Das Interview mit Dr. Christoph Schubert - Weller vom 5. Februar 2010 wurde erstmals abgedruckt in:

Volker H. Schendel: Astrologie und Recht, BoD - Verlag, Norderstedt, 2010, S. 47 ff

http://vonabisw.de/imgespräch/interviewcsw5211.pdf

 

Die Bücher von Dr. Christoph Schuber-Weller sind bei Astronova in Tübingen lieferbar:

http://www.astronova.de/8201--~Shop~produktauthor.html?folderid=221901&author=16

 

 

 

Ich danke Dr. Christoph Schubert-Weller, daß er den nachfolgenden Text aus dem Vorwort von:

Die Astrologie -  Neuausgabe im Marix-Verlag von:

“Wege der Astrologie -  Schulen und Methoden im Vergleich”, lieferbar hier:

http://www.astronova.de/8301--~Shop~produktdetails.html?primary=239095

als Leseprobe zur Verfügung gestellt hat:

 

Vorbemerkung zur Neuausgabe

 

Rund zehn Jahre nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe von "Wege der Astrologie" könnte dieses Buch nahezu komplett neu geschrieben werden. Dass dem so ist, darf als Beleg für die Aktualität und die Fruchtbarkeit der Astrologie in Deutschland gelten. Es handelt sich bei der Astrologie eben nicht um ein gehütetes und unveränderliches Geheimwissen, wie es manches esoterisch gefärbte Vorurteil wissen will; und ebenso wenig um ein beliebiges, weil nur scheinbares Wissen, wie es der Astrologie oft von akademischer oder theologischer Seite unterstellt wird. Vielmehr ist Astrologie ein lebendiger Prozess, der in fortwährender Entwicklung begriffen ist. Die Rede von der "Weisheit der Sterne" legt ein Bild der Ewigkeit und Unwandelbarkeit nahe. Angesichts der spirituellen und menschenkundlichen Wegleitungen, die zu leisten Astrologie imstande ist, besteht die Rede von der Weisheit der Sterne zu Recht. Die Astrologie als uralte Bildersprache des Kosmos öffnet als Symbolsprache zugleich den Zugang zur Seele des Menschen. Symbole als innerseelische Bilder können, wie wir durch die Tiefenpsychologie, insbesondere durch die Analytische Psychologie von C.G. Jung wissen, heilend und verwandelnd wirken. Aber Wegleitung ändert sich auch mit den Zeitläuften, ändert sich mit dem Charakter und den aktuellen Bedürfnissen derer, die nach der Wegleitung der Astrologie fragen.

 

Es gilt, zu skizzieren, was sich in der Astrologie überhaupt und speziell in der deutschsprachigen Astrologie seit dem Erscheinen der Erstausgabe 1996 getan hat.

 

1. Wir erleben seit etwa zehn Jahren eine stürmische Wiederentdeckung der traditionellen klassischen Astrologie und ihrer speziellen Methoden. Das Programm der revidierten klassischen Astrologie war und ist vorwiegend psychologisch orientiert, es betont die Aussagegrenzen in der Astrologie, es betont innerhalb horoskopisch gegebener Grundstrukturen die Freiheit individueller Wahl. Die revidierte Klassik stellt die offene Beratungssituation in den Mittelpunkt. Oft genug wird von Vertretern der revidierten Klassik und verwandter Schulen die astrologische Prognose als unzulässig bindend rundheraus abgelehnt. Demgegenüber akzeptiert und betreibt die traditionelle Klassik durchaus die astrologische Prognose – am deutlichsten in der sogenannten Stundenastrologie, jener traditionellen Technik, mit der auf den Augenblick einer konkreten Frage, möglichst einer Entscheidungsfrage, ein Horoskop gestellt wird, dessen Deutung die Tendenz der Entscheidung herauszuarbeiten versucht. Die Stundenastrologie, in England und in den Niederlanden nie außer Gebrauch geraten, in Mitteleuropa jedoch nahezu vergessen, hat denn in den vergangenen Jahren in Deutschland eine große Zahl praktizierender Anhänger gefunden. Die, wenn man so will, Triftigkeitsquote der korrekt angewandten Stundenastrologie ist ziemlich hoch, und das stellt natürlich eine besondere Herausforderung für das Konzept der Wahlfreiheit dar. Zwangsläufig treten in der fachastrologischen Diskussion nun auch wieder Fragen nach dem "Schicksal", nach der denkbaren Unausweichlichkeit von Entwicklungs- und Ereignisfolgen ins Bewusstsein.

 

2. Das bedeutet nur scheinbar eine Schwächung der psychologischen Astrologie, der revidierten Klassik. Sehr viele Astrologen wenden traditionelle Klassik und psychologisch orientierte Astrologie mittlerweile in einer offenen Haltung nebeneinander an, je nach Aufgabenstellung im konkreten Beratungsfall. Es gibt genügend Lebenssituationen, in denen es geboten ist, dass der Ratsuchende unbeeinflusst von einer Tendenzprognose bestimmte Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse durchlebt. Hier nimmt der beratende Astrologe ein hohes Maß an Verantwortung auf sich. Diese Fälle jedoch sind kein generelles Argument gegen sach- und themenbezogene Prognose; sonst müsste sich (astro-)psychologisch orientierte Beratung grundsätzlich auch gegen medizinische, soziologische, politische usw. Prognose verwahren.

 

3. Die psychologisch orientierte Astrologie hat in den letzten Jahren sehr viel Einzelforschung betrieben. Hierzu gehört vor allem der Umgang mit neu entdeckten oder neu definierten Horoskopfaktoren, etwa den Kleinplaneten Chiron oder Pholus, einigen neu entdeckten Objekten des Kuipergürtels (in dem Pluto eines der größten Objekte ist) wie Sedna oder Quaoar, oder dem als Lilith bezeichneten Mondapogäum. Wie hat man sich solche Forschung vorzustellen? Astrologie ist diejenige Bildersprache der menschlichen Seele, die individuelles und kollektives Geschehen und Sich Entwickeln an kosmischen Urbildern spiegelt. Ein Horoskopfaktor, ein Planet, ein Tierkreiszeichen ist in diesem Sinn ein Urbild, dessen bildhafte Deutung und Be-Deutung an einer großen Zahl von Einzelfällen kasuistisch erarbeitet und erschlossen wird. Dies tut Astrologie seit Tausenden von Jahren; so geschieht es im Prinzip auch für neu entdeckte Elemente. Die Einzelforschung der psychologisch orientierten Astrologie bezieht sich somit überwiegend auf die mythologischen, die spirituellen, die seelenkundlichen und schließlich psychologischen Bildelemente neu entdeckter und neu definierter Horoskopfaktoren. Der psychologische und therapeutische Wert solcher Erweiterung liegt in der Möglichkeit differenzierter Betrachtung. Die Gefahr ist freilich, dass am Ende zu viele Faktoren das Gesamtbild einer Deutung verunklaren.

 

4. Im Zug der Wiederentdeckung traditioneller astrologischer Ansätze und Methoden gibt es auch eine "fundamentalistische" Unterströmung, die alles an der Astrologie ablehnt, was über die traditionelle, das heißt antike, mittelalterliche und frühneuzeitliche Klassik hinaus reicht. Selbst die transsaturnischen Planeten, die erst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert entdeckt wurden und selbstverständlich Eingang in die Bildersprache Astrologie gefunden haben, werden in dieser Unterströmung abgelehnt.

 

5. Beide Strömungen, die offene, nach Weiterung suchende und neue Elemente begrüßende in der psychologischen Astrologie, wie auch die fundamentalistische Strömung in der traditionellen klassischen Astrologie sind wahrscheinlich geschichtlich notwendig. Gewiss, so wie die Zuwendung der psychologischen Astrologie zu allerlei neuen Horoskopfaktoren das Vorurteil von der Beliebigkeit astrologischen (Schein-)Wissens stützen mag, so könnte die fundamentalistische Abwehr aller modernen Astrologie das esoterische Vorurteil von der Ewigkeit und Unwandelbarkeit des "Sternenwissens" bedienen. – Die revidiert-klassische bzw. psychologische Astrologie denkt die astrologische Menschenkunde aus vorwiegend geistig-seelischer, psychologischer Perspektive. Wenn der Mensch ein Abbild des Kosmos ist und sich im Kosmos widerspiegelt – so kann man den grundsätzlichen Denk- und Deutungsansatz der Astrologie umschreiben –, dann kann keine Astrologie den weiten Horizont neuerer und neuster kosmologischer und astronomischer Entdeckungen ignorieren. In der Wiederentdeckung traditioneller klassischer Astrologie werden alte Techniken und Methoden erprobt. Der Zugang der traditionellen Klassik in der heutigen Gegenwart zum Menschen geschieht aber aus vorwiegend pragmatischer, mehr sachbezogener Perspektive. Es gibt nichts, was der Astrologe nicht gefragt wird. Einem guten astrologischen Berater sollte sowohl die psychologische und spirituelle als auch die pragmatische Perspektive vertraut sein. Freilich, solange in der Wiederentdeckung traditioneller klassischer Astrologie altes, bisher vergessenes oder verlorenes Wissen neu erschlossen wird, ist eine auch fundamentalistische Haltung nicht ganz ohne Sinn. Der Fundamentalist, wiewohl oft rechthaberisch und gnadenlos und selten mit gesunder Selbstkritik ausgestattet, ist eben in der Regel noch eine Spur kritischer und genauer, was die Sache angeht. Wenn die Wiederentdeckung alten Wissens abgeschlossen sein wird, werden wir wahrscheinlich ein äußerst schöpferisches Miteinander traditioneller und psychologischer Ansätze in der Astrologie erleben und eine entsprechende Kreativität in der Erarbeitung neuer Ansätze und Methoden.

 

6. Wir erleben in der Gegenwartsastrologie eine weitere beachtliche Entdeckung bzw. Wiederentdeckung, nämlich die Entdeckung der indischen Astrologie. Es gehört heute fast schon zum guten Ton unter Fachastrologen, dass man wenigstens grundsätzlich von den Ansätzen der indischen Astrologie weiß. Teilweise mischt sich das Bemühen um die (traditionelle und moderne) indische Astrologie mit der Wiederentdeckung traditioneller klassischer Astrologie des Abendlandes. Es ist längst nicht mehr gerechtfertigt, von der "indischen Astrologie in Europa" zu sprechen, wie ich das 1996 getan habe (vgl. Kap. 7). Als wäre die indische Astrologie noch weiterhin ein Museum, aus dem sich die abendländische Astrologie seit ihrer theosophischen Wiedererweckung gelegentlich bediente! Die indische Astrologie mit ihren verschiedenen Traditionen ist inzwischen in ihrer ganzen Eigenständigkeit und Größe im Abendland angekommen, sowohl, was ihre spirituelle und menschenkundliche, als auch, was ihre pragmatische Seite angeht.

 

7. Manche Strömung, mancher Ansatz scheint an Bedeutung zu verlieren. Das bedeutet nicht, dass diese Ansätze "tot" sind. Sie leben in kleinen Zirkeln fort, und es ist nicht gesagt, dass sie nicht irgendwann eine Wiedererweckung erleben. Sie werden freilich in der schulübergreifenden Fachliteratur, soweit ich blicke, gegenwärtig kaum diskutiert. Auf die Gefahr hin, mich bei den Vertretern dieser Ansätze unbeliebt zu machen, nenne ich hier die Hamburger Schule und die Kosmobiologie Reinhold Ebertins.

 

Dem Marix-Verlag möchte ich von Herzen für seine Bereitschaft danken, diese interdisziplinäre Darstellung der Astrologie über die Fachszene hinaus einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Für alle subjektiven Einschätzungen und objektiven Fehler übernehme ich selbstverständlich die Verantwortung. Für Rückfragen, Ergänzungen und Berichtigungen bin ich dankbar und freue mich über jede Kontaktaufnahme.

 

Bodman, Juni 2006

Christoph Schubert-Weller

 

Zusatz am 3. März 2011

Zuerst veröffentlicht in:

Christoph Schubert-Weller: Die Astrologie. Entstehung, Schulen und Entwicklungen.

marixverlag Wiesbaden 2006. ISBN 978-3-86539-102-5.

(= Lizenzausgabe von "Wege der Astrologie. Schulen und Methoden im Vergleich. Chiron Verlag. Mössingen 1996)

 

 

 

[SAE Aktuell] [Literaturliste] [Impressum] [Geschichte] [History] [Esoterik] [Anthroposophie] [Theosophie] [Alchemie] [Mantik] [Okkultismus] [Sternwelten] [Arcana] [Law and Astrology] [Azusa] [PR] [BGH zur Astrologie] [Astrologie im Radio] [Von A bis W] [A] [B] [C] [D] [E] [F] [G] [H] [I] [J] [K] [L] [M] [N] [O] [P] [Q] [R] [S] [T] [U] [V] [W] [Salzgrotten] [Bridge] [CpD]